Wir über uns

Wer sind wir? Die Familie Lehmke, das sind meine Frau Astrid, die Kinder Julian (Jg. 2001) und Judith (Jg. 2003) und meine Person, Frank Lehmke.

Um die Pferdezucht der Familie Lehmke zu beschreiben, blicken wir zurück ins Jahr 1991. Genetisch unvorbelastet - also nicht als Sprößlinge alteingesessener Züchterfamilien - reifte in meiner Frau Astrid und mir nach Jahren des reitschulmäßigen Pferdebewegens der Wunsch, ein eigenes Pferd zu besitzen. Es sollte ein relativ junges, unverbrauchtes Pferd direkt vom Züchter sein. Genau genommen sollte es eine Stute werden, denn meine Frau wurde schon von Kindesbeinen an von ihren auch züchterisch aktiven Reitlehrern geprägt. So manche Ferienwoche verging im gemeinsamen Wachdienst der Kinder bei den tragenden Stuten.

Gesagt - getan, schon war der Sommerurlaub auf einem Hannoveranergestüt im Artland gebucht. Dort bot sich die Gelegenheit, dem Seniorzüchter, der neben einer Handvoll eigener aktiver Zuchtstuten in jedem Jahr bis zu einem Dutzend Fremdstuten zur Zucht beherbergte, über die Schulter zu schauen und ihn auch auf den Fahrten zu den Hengsthaltern und befreundeten Züchtern der Umgebung zu begleiten. Es war die Zeit des Umbruchs in der Pferdezucht. Die Bedeckung in der Nachbarschaft per Natursprung wurde zurückgedrängt durch die - damals noch durchaus umstrittene - Methode der Frischsamenübertragung. Die große Besamungsstation des Landgestüts Celle in Ankum war noch recht jung und beherbergte gleich mehrere der seinerzeit aktuellsten Hengstlinien des Landgestüts: Der Körsieger und HLP-Reservesieger Brentano II hatte sich bereits im Emsland einen guten Namen gemacht und wurde als DER Sohn des überragenden Bolero angesehen. Der Multichampion Weltmeyer bekam nach 2-jährigem Einsatz in der Zentrale Celle nun die Chance im westfälischen Grenzland dem südlichen Nachbarn einige Züchter abzuwerben und machte Ankum zu einer Pilgerstäte der Zuchtwelt. Hatte er doch zuvor auf der DLG-Schau den westfälischen Vorzeigesiegerhengst Diamantino auf Platz 2 verwiesen. Als Erhalter bewährter Linien fand man den Löwe-xx Enkel Lungau und seinen "Neffen" Legat, den riesigen Gletscher oder den als Aktionstraber und Springvererber brillierenden Wandervogel I. Das noch neue Blut des holsteiner Springcracks Sandro fand über den doppelveranlagten Oldenburger Sao Paolo Einzug in Hannover, als noch niemand wußte, dass über Sandro Song und seinen Sohn Sandro Hit eine international begehrte Modedynastie entstehen würde.

Auf diesem Gestüt verliebten wir uns in zwei Stuten. Eine 4-jährige StPrA von Imperator  und eine 2-jährige Fuchststute vom bereits erwähnten Weltmeyer. Hätten wir bloß nicht nach den Preisen gefragt - wir wollten doch nur ein Pferd kaufen und nicht ein Gestüt ;-) Wir zählten 1 und 1 zusammen und kamen zu dem Schluß, dass man doch mehr von einem Pferd hat, wenn man den Preis in mehrjährigen Raten zahlt, aber schon den Umgang pflegen kann. Ein Stutfohlen sollte es werden. Wir besuchten viele Züchter, bei denen manch spätere StPrSt und Auktionsspitze uns gefiel, aber nicht die unsrige werden wollte. Noch heute freue ich mich für Pferd und Züchter, dass eine ebenso typvolle wie bewegungsstarke Brentano-II Tochter ebenfalls in diese Rubrik fiel. Denn wer glaubt schon, dass als Erstlingspferd eines züchterischen Greenhorns die heutige Brentina daraus geworden wäre!

Doch schließlich landeten wir eines schönen Tages auf dem Hof der Familie Siltmann, damals noch in Wehdel beheimatet. Wieder wurde uns eine unverkäufliche Tochter des großen Weltmeyer gezeigt. Auch eine harmonische aber recht derb gezogene Brentano-II Tochter trabte für uns auf. Dann, aufrgrund ihrer Jugend von gerade einmal 7 Tagen eigentlich nur der Vollständigkeit halber, betrat Luna den gepflasterten Innenhof. Ein schmächtiges braunes Stütchen, sehr korrekt auf seinen vier Beinen stehend, gerade die richtige Mischung aus Eleganz und Rahmen. Kein Wunder bei diesen Genen: Lungau - Homer xx - Wrede - Abhang I. Im Nachhinein verstanden wir den Charme, der uns aus großen vertrauensvollen Augen anblickte und sofort gefangennahm. Die sollte es werden. Und in zähen Verhandlungen konnten wir Jürgen Siltmann überzeugen, dass sie es wurde.

Von diesem Moment an änderte sich unser Leben von Grund auf. Die nächsten Monate verbrachten wir damit, alle 2 Wochen "mal eben" von der westlichsten Großstadt (Aachen) ins Artland zu fahren und nach unserer "Kleinen" zu schauen. Mal brachten wir ihr Möhren mit ("Soll das Pferd etwa Wurzeln fressen?"), mal ein Fohlenhalfter ("Willst Du die Lütte etwa jetzt schon zähmen?"), immer aber waren wir bei Familie Siltmann herzlich willkommen und eine wundervolle Freundschaft entstand. Gemeinsam besuchten wir Hengstschauen und die Artländer Stutenschauen und betrieben Ahnenforschung ("Hier ist eine Kiste mit alten Fotos, da sind auch die Urahnen Eurer Luna bei."). So lernten wir viele Züchter und Hengsthalter - insbesondere im Artland und Südoldenburg - kennen. Auf einer dieser Hengstschauen verliebte sich meine Frau in einen frischgebackenen Bundeschampion. Davignon I war einer der ersten gekörten Söhne des großen Donnerhall, und er selbst verkörperte das Ideal eines vielseitig veranlagten Leistungspferdes. Doch dazu später mehr....

Mit der Zeit kristallisierte sich heraus, was für einen Edelstein wir mit Luna in den Stall bekommen hatten. Ihr Pedigree mündet über die klassische Generationenfolge Abhang I - Schutzwart - Flügeladjutant in einen der erfolgreichsten Artländer Stutenstämme der Nachkriegsjahrzehnte. Der damalige Hochsprungweltrekordler Harras war aus sportlicher Sicht lange Zeit das Aushängeschild des Stammes. Jede der staatsprämierten Ahnen konnte gekörte Vollbrüder vorweisen und ein weiterer Zweig dieser Familie hat über Lungau - Pik Bube II - Weingau - Duft II - Abhang I - Flügeladjutant keinen geringeren als den aktuellen Dressur-Olympiasieger Salinero hervorgebracht. Mitte der 90er Jahre wurde die Züchterfamilie Siltmann zudem dafür geehrt, dass dieser Stutenstamm seit 100 Jahren in der Familie gepflegt wird!

Leider war dem "Luna´schen" Zweig das Glück nicht wohlgesonnen. Während Luna´s ältere Vollschwester nach einer Problemgeburt einging, wurde Luna 1996 das Opfer eines unfähigen Tierarztes. Gute 4 Wochen nach dem berechneten Abfohltermin ließen wir sicherheitshalber kontrollieren, ob alles in Ordnung sei. Die lapidare Auskunft lautete "Das Fohlen wird tot sein, ich spüre keine Bewegungen." Die daraufhin mit Macht eingeleitete Geburt zog sich über zwei Tage hin und brachte schließlich ein großrahmiges, aber offensichtlich noch immer unreifes und dank zu früh abgelöster Plazenta auch unterversorgtes Hengstfohlen ans Tageslicht. Der arme Kerl kämpfte mit unserer unermüdlichen Hilfe 5 Tage gegen sein unvermeidliches Schicksal an und verstarb dann doch an den Auswirkungen der Fohlenlähme. Bei Luna hinterließ diese Tortur offensichtlich psychische Wunden, denn die organisch gesunde Stute wollte erst 2001 wieder tragend werden. Im Jahr darauf mußten wir sie nach einer schweren Kolik mit der nur 4 Monate alten Habanera bei Fuß einschläfern lassen.

Doch zurück ins Jahr 1991. Nachdem wir im Aachener Umland keinen geeigneten Pensionsstall mit Fohlengesellschaft finden konnten, bissen wir in den sauren Apfel und kauften im Dezember noch ein zweites Stutfohlen "nur zur Gesellschaft" dazu. Aus Granada wurde letzten Endes unsere erste "richtige" Zuchtstute, die uns in 8 Zuchtjahren 7 Fohlen schenkte und nun Ihren wohlverdienten Ruhestand als Weidegesellschaft und gelegentliche Partnerin für gemütliche Ausritte verbringt. Ihre Tochter Lafayette (von Lucio Silla xx) soll voraussichtlich ab 2007 unsere Zuchtstutenherde bereichern.

Der eigentliche Zuchtvirus ("Zucht ist Sucht") befiel uns wiederum per Zufall. Um vom Reitschulbetrieb schon während der Aufzucht von Luna und Granada unabhängig zu sein, kauften wir uns eine Mary, eine damals 9jährige Haflingerstute. Die war zwar tragend, hatte aber bislang mit schöner Regelmäßigkeit irgendwann resorbiert. Sie war kaum als Reitpferd ausgebildet, aber super brav. "Nun ja, wenn sie eh´ keine Fohlen bekommt, müssen wir ja keine Rücksicht nehmen und können das Dickerchen auch ordentlich antrainieren." Und siehe da, mit Muskeln statt Fettmassen bleibt sie tragend und 1993 wird mit dem Dunkelfuchshengst Abacco unser erstes Fohlen geboren. Mary ist mittlerweile stolze 23 Jahre alt und erfreut uns immer noch als Leitstute für die Jungpferde-Weidegruppe und Streichelpony für die Kinder. Von der Haflingerzucht haben wir aufgrund des dramatischen Marktverfalls mittlerweile Abstand genommen. Die "pausierenden" Zuchtstuten begeistern uns und insbesondere unsere Kinder als leistungswillige und nervenstarke Kutschpferde.

Doch die Warmblutzucht ließ uns nicht so schnell los. Nach Luna und Granada fand mit der 4-jährigen Danah (Züchter: Klaus Meyer, Oederquart) 1997 wieder ein verborgenes Kleinod den Weg in unseren - mittlerweile eigenen - Stall. Nach einem Unfall während der Aufzucht aus lauter Panik vor Sattelgurten und Enge als unreitbar abgestempelt, wurde sie uns für die Zucht angeboten. Da war nun überraschend die Gelegenheit, einen direkten Nachkommen des von uns so verehrten Davignon I in die Hände zu bekommen. Und dann auch noch als Zuchtstute! Danah entsprach mit ihrer bewährten Kehdinger Abstammung (Davignon I - Grande - Marmor - Lugano I - Duellant u.s.w.) dem Ideal der modernen Sportpferdezucht. Alleine die Väter der ersten 4 (!) Generationen charakterisieren sich als Sieger oder Reservesieger ihrer Hengstleistungsprüfungen. Zuchtgrößen wie Gründer (Ldb. Warendorf) oder der HLP-Sieger Fielmann gingen ebenso aus diesem Stamm hervor wie die international erfolgreichen Sportpferde Sundance Kid (Vielseitigkeit mit Marina Loheit) und Boney M (Dressur mit Thorsten Dietz). Mit Havannah (von Heraldik xx) und ihrer Tochter Graciah (von Goethe) hoffen wir, diesen wertvollen Stutenstamm dauerhaft in unserer Zucht verankern zu können.

Von nun an versuchten wir, mit jährlich zwei Bedeckungen unsere kleine Pferdezucht aufzubauen. Gerne hätten wir hierbei auch einmal ein eigenes Stutfohlen begrüßt, doch zunächst wollten nrur Hengstfohlen den Weg zu uns finden.

Und wieder trieb uns der Zufall einen Edelstein in die Hände. Kaum war 1999 in der Verbandszeitschrift "Der Hannoveraner" ein Bericht über den Stutenstamm des Hengstes Regazzoni erschienen, wurde die spät geborene und relativ unscheinbare Mayflower angeboten. Bei der Besichtigung hatte sie Husten und wirkte entsprechend matt. Es wurde ein weiterer Besuch vereinbart. Nach langem Grübeln kauften wir sie schließlich telefonisch kurz bevor das Körergebnis von Riccione bekanntgegeben wurde. Ein Kauf, den wir bis heute nicht bereut haben. Als Reitpferd eine Rittigkeits- und Charakterklasse für sich vererbt sie diese Tugenden sowie ein korrektes Exterieur dominant an ihre Kinder.

Nachdem uns in den Jahren 2001 und 2002 das Pech verfolgte (innerhalb eines Jahres starben mit Danah, ihrer Tochter Rowena und Luna gleich drei Stuten an den Folgen schwerster Koliken, die wir uns bis heute nicht erklären können), beschlossen wir mit gezielten Zukäufen unseren Stutenbestand wieder aufzustocken. Nach der damals 2-jährigen Wakonda (Züchter: Klaus Meyer, Meppen) entschlossen wir uns zum Jahreswechsel 2002/2003 noch gezielt nach einer Staatsprämienstute zu suchen. Nach einigen enttäuschenden Besichtigungen im heimatlichen Rheinland und angrenzenden Westfalen, die Anekdoten für eine eigene Geschichte lieferten wurden wir schließlich beim ostfriesischen Bezirksverbandsvorsitzenden Walter Willhaus fündig, und das auch noch im Doppelpack. Die 6-jährige StPrSt Wanette (Wanderbursch II - Volturno - Azur) bestach durch ihren excellenten Typ und die prominente Mutter. StPrSt Valente lieferte der hannoverschen Zucht 5 gekörte Söhne, darunter den Grand-Prix erfolgreichen Weltgeist. Dagegen wirkte die 3-jährige StPrA Lacanta (Lacantus - Bolero - Grande) eher unspektakulär, aber ein Blick in das Prüfungsprotokoll ihrer Stutenleistungsprüfung ließ unsere Herzen ebenfalls höher schlagen. Wann bekommt man schon einmal eine Prüfungssiegerin mit ausgeglichenen Noten in allen Prüfungskriterien auf höchstem Niveau angeboten? Beide Stuten waren von Wolkentanz I tragend, der unserer Meinung nach mittlerweile als bester der zahllosen Weltmeyer-Söhne angesehen werden kann. Wobei möglicherweise der eine oder andere Halbbruder in privatem Besitz mangels entsprechender Bedeckungszahlen keine Chance hat, das Gegenteil zu beweisen. Wie sich dank meiner Passion "Abstammungstheorie" mittlerweile herausgetsellt hat, verfügt auch Lacanta, die nach drei gesunden Fohlen in unserem Besitz mittlerweile den Titel StPrSt tragen darf, über prominente Verwandtschaft: Ihre Großmutter Gefährtin (Grande - Eisenherz I) ist keine geringere als die Vollschwester von Laurentianer´s Mutter! Jenem Hengst, der als einer der ersten Einkäufe der frischgebackenen Warendorfer Landgestütsleiterin Susanne Rimkus das Blut des Lauries Crusador xx in NRW hoffähig machte und mit seinen eigenen Sporterfolgen (Weltmeister der jungen Dressurpferde, zwischenzeitlich unter Marlies van Balen international Grand-Prix platziert) zu begeistern weiß. Wir hoffen, dass Lacanta´s Sohn Renoir (von Roadster) im Herbst seinem berühmten Onkel nacheifern kann und zur NRW-Hauptkörung die Zulassung erhält.

Nun sind wir also in der Gegenwart angelangt. Wir hoffen, dass sich noch viele weitere angenehme Anekdoten in der Zukunft finden werden, um diese Geschichte fortzuschreiben...

Freialdenhoven, im März 2006

Frank Lehmke